RICHTIGES LEBEN

Der letzte Roman aus dem alten Westberlin
von Fritz Hendrick Melle
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Was die Presse damals sagte:

Ein deutscher Held – Hermann Eisenkolb ist eine Großstadt-großschnauze, sentimental, selbstironisch und im Westberlin von 1988 auf der Suche nach dem Geschmack von Freiheit und Abenteuer. Das kann er haben. Als er nach einer durchsoffenen Nacht in einem fremden Sakko aufwacht, geht die Action richtig los, nicht zuletzt, weil sich im Futter des Fummels erstklassiges, unverschnittenes Koks befindet. Nicht seine Schuld, dass er in die Kokain-Szene Berlins gerät. Er muss nur aufpassen, dass er wieder heil herauskommt, und es sieht nicht so aus, als ob Angelique, das Mädchen mit den ferrariroten Haaren, die ganze Angelegenheit vereinfachen würde.

Eisenkolb weiß genau, was Sache ist – dass man bereit sein musscim Leben, auf der Straße, auf den Sprungfedern und am Tresen Münsterland oder Bahnhof Zoo, es ist immer dasselbe. Mit seinem Erstling »Richtiges Leben« zeigt Fritz Hendrick Melle, wie ein deutscher Großstadt- und Szenenroman auszusehen hat, fängt den Berlin Beat, den Stakkatorhythmus der Spätpunks und Frührentner, Hiphopper und Hardcore-Schnorrer in bestechender Weise ein. Das Resultat ist »Berlin Alexanderplatz« auf 45 Umdrehungen, abgemischt mit Straßen-in-Flammen-Riffs und Kopfkino-Einsprengseln, wie sie zu jedem Asphaltabenteuer gehören: Tittentango und Tristesse, Mickey-Rourke-Posen und Ich-will-dich-Nummern, Nackenfangschläge und Zungenküsse.

Autor
F. Hendrick Melle, 1960 in Karl-Marx-Stadt geboren, schreibt wie Jan
Wolkers, Jörg Fauser und Philippe Djian in einer Person. Melle lebt da, wo man den Puls der Großstadt immer noch am besten fühlen kann, in Berlin, und schreibt momentan an seinem zweiten Roman.

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Richtiges Leben – 12. TransAm S/M

Der Wagen war ganz schön dick aufgetragen. Ich versuchte ein Gesicht, von dem ich dachte, dass es gut zu rotem Lack und schwarzem Leder passen würde. »Sag mal, wen willst du denn mit diesem Mad-Max-Teil erschrecken?« Key spielte mit, aber anders: »Zieh das Jackett...

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Richtiges Leben – 11. Statistik

Nachdem ich den Kopf unter den Wasserhahn gehalten und mir die Haare hinter die Ohren geklatscht hatte, fühlte ich mich leidlich frisch, als ich zurückkam. An der Tür fing mich der Supervisor ab. Er hatte ein Gesicht aufgezogen, mit dem er mir zu verstehen gab, dass...

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Richtiges Leben – 10. Im Labyrinth

Ich trat an den Mac. Er war ausgeschaltet. Unter dem vollen Aschenbecher lag das Booklet für die Spieldisketten. Ich las, was auf der Rückseite stand: »Do ya really think ya got a chance with the cops, the mob and who knows who else all after ya? Well, good luck, pal....

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Richtiges Leben – 9. Leichtes Geld

Karen leckte mir das Gesicht. Auch wenn dagegen nichts zu sagen war - es war ungewöhnlich. Karen stank aus dem Mund. Das war übel. »Geh dir die Zähne putzen!« maulte ich und schob sie weg. Karen winselte. Davon wurde ich wach. Ein Maul voller Schleimhäute und...

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Richtiges Leben – 8. Ein Pool mit Gin-Tonic

Der Empfang war eher unerfreulich. Gleich am Anfang ging mir Key verloren. Ich stand ziemlich alleingelassen zwischen lauter Leuten in schwarzen Klamotten, die ihre Urlaubsbilder herumreichten und die Adressen unverfälschter griechischer Inseln austauschten, auf denen...

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Richtiges Leben – 7. Tequilla & Key

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Richtiges Leben – 6. Keine Zukunft mit Claudia

Was ich an Claudia bewunderte, war die Sicherheit, mit der sie sich bewegte. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass sie stolpert. Und wenn, dann sah das sicher sehr bedeutend aus. Claudia war groß, blond, langbeinig und kurzsichtig. Sie war eine sehr schöne...

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Richtiges Leben – 5. Alte Gleise

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Richtiges Leben – 4. Erster Kontakt

Die S-Bahn Richtung Mariendorf war leer. Zum Wannsee und in den Grunewald fährt man in die entgegengesetzte Richtung. Hier fuhren nur Leute, die mußten. Männer mit Kalkgesichtern und Frauen mit schwieligen Händen. Ich stieg in Mariendorf aus. Das Fritz-Reuter-Werk sah...

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Richtiges Leben – 3. Wenn die Vögel Flügel hätten

In der U-Bahn roch es wie in einer heißen Bockwurst. Ich ließ mich auf den letzten freien Platz fallen und streckte die Beine aus. Fünfundzwanzig Grad Celsius hatten die Morgennachrichten gemeldet. Zweiunddreißig sollten es werden. Die Leute begannen aus dem Leim zu...

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Richtiges Leben – 2. Anfang vom Ende

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Richtiges Leben – 1. Späte Einsicht

Vor ein paar Tagen dachte ich noch, in Scheiße zu treten wäre ein gutes Zeichen. Wer in Scheiße tritt, kennt den Weg, trägt den Kopf erhoben. Mir ist das zum letzten mal vor einem Jahr passiert, an einem Tag zwischen Frühling und Sommer. Das Grün der Straßenbäume war...

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